Die Qual der Wahl bei der Shop-Auswahl

Das passende Shopsystem ermitteln (1)

Passendes Shopsystem: Die Qual der Wahl

 

Der Traum vom perfekten Shop

Eine Illusion muss ich gleich zu Beginn nehmen: Ein 100% passendes Shopsystem von der Stange für den perfekten Shop gibt es definitiv nicht. Einzige Alternative: Man lässt sich seinen Onlineshop programmieren und ihn dabei explizit auf seine eigene Wünsche hin ausrichten. Um das gewünschte Optimum zu erreichen, ist das sicherlich die beste Idee. Die Gesamtkosten belaufen sich dann allerdings mit Sicherheit problemlos (mindestens) auf einen hohen fünfstelligen Betrag. Siebenstellige Aufwendungen sind auch nichts außergewöhnliches, wenn man sich den eigenen, perfekten Shop basteln lässt. Folgekosten für individuelle technische Updates, administrative Nachbesserungen und permanente Anpassungen an aktuelle Technologien sollten ebenfalls mit eingeplant werden.

Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass jeder Shopbetreiber die Möglichkeit hat, für relativ kleines Geld (und manchmal auch für noch weniger) ein sehr gut funktionierendes, passendes Shopsystem nutzen zu können. Für meinen ersten voll funktionsfähigen Shop, hab‘ ich lediglich einen monatlichen Kostenaufwand von knapp fünf Euro tragen müssen. Diese fünf Euro waren die anteiligen Gebühren eines Webhostingpaketes, den Shop selber gab’s für lau. Mein Start als Shopbetreiber ist zwar schon gute zehn Jahre eher und die damals eingesetzte Shopsoftware ist Vergangenheit, aber ein ähnlicher Start ist auch im Jahre 2018 noch durchaus möglich.

Erfolgsshop für lau

Ich startete vor über zehn Jahren mit dem legendären xt-Commerce-Shop 3.04. Der „XTC 3-04“ war zu jener Zeit, dass am meisten genutzte  OS-Shopsystem. Es war der absolute Marktführer im Low-Budget bzw. im No-Budget Bereich. Es gab kaum einen Shopbetreiber, der nicht mit diesen Modell startete. Der große Bonus am XTC 3.04 war, dass es damals von einer großen, offenen Community begleitet wunde. Die Mitglieder waren in allen Belangen sehr aktiv und speziell bei den zahlreichen technischen Fragen, gab es eine tolle gegenseitige Unterstützung. Hinzu gesellte sich ein kleiner Marktplatz mit diversen kostenlosen oder kleinpreisigen Modulen zur individuellen Shoperweiterung. Das ging so lange gut, bis die Inhaber der Marke dann auch mal Geld verdienen wollten und das Nachfolgemodell kostenpflichtig wurde.

Aktuelle Onlineshop Aufwendungen

Gegenwärtig (im Frühjahr 2018) trage ich für meinen Onlineshop eine monatliche „All-Inklusive Belastung“ von knapp 50 Euro. Das ist zwar deutlich mehr, als zu Beginn meiner Aktivitäten als Onlinehändler, aber dafür sind in diesem Betrag einige „Luxusleistungen“ enthalten. Dazu zähle ich zum Beispiel eine kontinuierliche Rechtsberatung durch einen Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Internetrecht, Lizenzgebühren für die offizielle Nutzung von professionellen Bildern und Grafiken im Shoplayout und die Kosten für den Shopsupport vom Hersteller.

„Statt örtlicher Laufkundschaft,
gibt’s die weltweite Surfkundschaft“

Unabhängig davon, ob man nun einen finanziellen Aufwand von 5 Euro oder 50 Euro monatlich hat, sind das immer noch Summen, die im direkten Vergleich mit den laufenden Kosten für ein Ladengeschäft nun wirklich absolute Peanuts sind. Es fehlt einem als Onlinehändler zwar die örtliche Laufkundschaft, dafür erwartet einem aber eine weltweite Surfkundschaft. Die Möglichkeit, sich mit seinen Produkten einen globalen Kundenstamm aufzubauen, sollte man nie außer Acht lasen. Insbesondere nicht bei der Auswahl der Shopsoftware.

Weltweiter Handel leicht gemacht

Ich biete meine Produkte im Onlineshop für den weltweiten Verkauf an. Der Anteil meiner Sendungen ins Ausland liegt bei knapp 35% (ca. 20% Europa und 15% Rest der Welt) und das mit einem lediglich zweisprachigen Shop (Deutsch und Englisch). Dieser hohe Anteil an Verkäufen ins Ausland, ist für mich persönlich immer noch überraschend. Es ist mir zu Beginn meiner Aktivitäten im Onlinehandel niemals in den Sinn gekommen, dass es in Japan, Kanada, Brasilien, USA, Neuseeland und in so ziemlich allen EU-Ländern Personen gibt, die ausgerechnet in meinem(!) Shop etwas bestellen. Der Gedanke daran erschien mir absolut abwegig. Heute weiß ich es besser.

Allein die Tatsache, das Kunden aus den USA, bei (leichten) Bestellungen in Deutschland, geringere Versandkosten zu tragen haben, als mitunter bei Paketsendungen innerhalb der Vereinigten Staaten, macht deutlich, warum ein weltweiter Versand durch Nischenshops alles andere als abwegig ist. Zumal es in vielen Ländern auch Import Freibeträge gibt, die einen Auslandseinkauf in Deutschland lukrativ machen. Deshalb mein Tipp: Sofern es das Produkt möglich macht, immer global planen und diese Möglichkeit auch von Beginn an bei der Shopwahl mit einbeziehen.

 

Meine Empfehlungen als Berater

In meiner Funktion als E-Business Berater durfte ich in den letzten Jahren zahlreichen Onlinehändlern beim Start begleitend zur Seite stehen. Sehr häufig stellte sich heraus, dass die meisten internen Hindernisse ihre Ursache in einer unzureichenden Vorabplanung hatten. Die falsche Auswahl der Shopsoftware war dabei eine der gravierendsten Fehlplanungen.

Der eigentliche Anschaffungspreis spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. So kann es durchaus passieren, dass für den Betreiber eines Nischenshops mit 50 Produkten, ein kostenloses Shop Basis-Modell im Endeffekt kostenintensiver werden kann, als die gebührenpflichtige Anschaffung eines Shopsystems mit integrierter Supportleistung.

Teure Gratis-Gier

Richtig überrascht werde ich in diesem Zusammenhang des öfteren durch dass manchmal etwas obskur wirkende Verhalten erfahrener Kaufleute. Viele von ihnen verlieren trotz langjähriger Berufserfahrung bei Schlagwörtern wie „Kostenlos“ oder „Gratis“ komplett ihre kaufmännische Selbstkontrolle und entwickeln eine kaum kontrollierbare Gratis-Gier. Selber viel Geld verdienen wollen, aber gleichzeitig möglichst keinen einzigen Cent investieren – das ist ein sehr waghalsiger Lauf auf einem sehr schmalen Pfad in der Nähe vom Abgrund.

Bei erfahrenen Online-Händlern gilt die Weisheit „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“. Das mag zwar nicht immer zutreffen, aber mehr als ein Fünkchen Wahrheit ist an der Aussage schon dran. Sinnvolle Geldinvestitionen in einen Onlineshop haben nichts mit unkontrollierter Geldverbrennung gemeinsam. Wie ich bereits erwähnte, war mein Start in den Onlinehandel rein finanziell gesehen sehr bescheiden. Jede noch so kleine Ausgabe wurde mehrfach kritisch hinterfragt. Doch wenn die Notwendigkeit der Investition außer Frage stand, wurde sie umgehend in die Wege geleitet – und das war richtig so!

Überbezahlte Anwendungen

Kurioserweise komme ich in letzter Zeit häufiger mit Onlinehändlern in Kontakt, die genau das Gegenpol zu den zuvor erwähnten „Gratis-Interessenten“ bilden. Frei nach dem Motto „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“, erfahre ich dann von teuren Flops engagierter Shopbetreiber. Diese wollten von Beginn an alles richtig machen und haben dafür selbstbewusst eine Menge Geld in die Hand genommen. Dumm nur, dass sie eine große Menge ihres Kapitals für überflüssige „Luftleistungen“ ausgaben.

Teure Luftleistungen

Damit bezeichne ich kostenpflichtige IT-Dienstleistungen aller Art, deren Leistungsnachweis sich aufgrund geschickt aufbereiteter, schwammiger Formulierungen im Auftrag, nicht belegen lassen. Da werden im Vorfeld vom „netten Dienstleister“ angeblich notwendige Leistungen um einiges wichtiger dargestellt, als sie es im Nachhinein tatsächlich sind. Damit meine ich sowohl Dienstleistungen am Shopsystem selber, wie auch den Zukauf von „super nützlichen“ Shop-Modulen über Dritte.

Es gibt für so ziemlich jedes Shopsystem eine Vielzahl an gut gemachten Module und Apps. Diese tun dem eigenen Shop auch nichts Böses an, bringen aber auch keinerlei Mehrwert mit sich. Entsprechend rate ich jedem Shopbetreiber, nicht bereits gleich zum Start langfristige Verbindungen einzugehen. Nachrüsten kann man immer auf die Schnelle, aber schnell abrüsten, ist oftmals eine sehr langwierige Sache.

Soweit meine kleine Einführung in das Abenteuer „Onlineshop Suche“. Im zweiten Teil befasse ich mich mit den Fragen zur Feststellung der Eignung eines Onlineshops für die individuellen Ansprüche des künftigen Shopbetreibers.

Hier geht es mit dem zweiten Teil weiter: Das bestpassende Shopsystem ermitteln.

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